Chronik

Der Musikverein Mümlingtal e.V. – Ein Portrait

Die Anfänge
Die Blasmusik in Mömlingen kann auf eine lange Tradition bis in das 19. Jahrhundert zurückblicken. Dass damals schon eine Musikkapelle existierte, beweist als ältestes Dokument ein Foto aus dem Jahr 1896. Allerdings besaßen die Musikkapellen zu jener Zeit noch keinen Vereinsstatus; das gemeinsame Musizieren wurde vielmehr im Familienverbund gepflegt. Exemplarisch stehen hierfür in den 1920er Jahren die “Kapelle Drieß” und die “Kapelle Klug”.

Die eigentlichen Anfänge des heutigen Musikvereins Mümlingtal e.V. gehen schließlich auf das Jahr 1930 zurück, als im Turnverein Mömlingen unter dem Vorsitzenden Karl Bräutigam ein Spielmannszug mit sechs Pfeifen und sechs Trommeln gegründet wurde. Die Leitung übernahm Johann Giegerich. Leider wurde diese Spielgemeinschaft nach der Machtergreifung rasch von den Nationalsozialisten vereinnahmt, in die Hitlerjugend zwangseingegliedert und schließlich gegen Ende des Zweiten Weltkrieges aufgelöst.

Neubeginn in der Nachkriegszeit: Der Spielmannszug des Turnvereins
Im Herbst 1952 gab Karl Bräutigam erneut den Anstoß, einen Turner-Spielmannszug zu gründen. Im Frühjahr 1953 kaufte der Turnverein die ersten Instrumente und mit sechs Trommeln, sechs Fanfaren und sechs Spielmannsflöten wurde der Übungsbetrieb aufgenommen. Leitung und Ausbildung des Spielmannszuges lagen zu jener Zeit in den Händen des ehemaligen Regiments-Tambourmajors Jakob Petermann; nach dessen frühem Tod übernahm der heutige Ehrendirigent Ewald Hohm dessen Funktionen und behielt diese Funktion viele Jahrzehnte, bis 1983.

Höhepunkte waren in den 1950er Jahren der Besuch von Gauturn- und Mümlingtalfesten, insbesondere aber die Landesturnfeste, die den Spielleuten die Möglichkeit boten, viele Regionen Bayerns zu besuchen und dort Mömlingen zu repräsentieren.

Weiterentwicklung zum Musik- und Fanfarenzug
In den Jahren 1961/62 vollzog sich eine allmähliche Wandlung vom reinen Spielmannszug zum Musik- und Fanfarenzug. Zunächst wurden 3 Ventilfanfaren eingesetzt, die bald von Trompeten abgelöst wurden. Nach und nach kamen Posaune, Tenorhorn und Tuba dazu. Auch in 1960er Jahren bildeten Turnfeste und Festzüge die musikalischen Schwerpunkte Highlights waren die Teilnahme am historischen „Drachenstich“ in Furth i. Wald und am Deutschen Turnfest in Essen, wo Ewald Hohm als Bayerischer Landesstabführer die Spielleute aus dem gesamten Freistaat anführte.

Gründung des Jugendblasorchesters
Im Herbst 1971 wurden mit der Gründung des Jugendblasorchesters erneut Weichen gestellt. Dank der geburtenstarken Jahrgänge gelang es rasch, 45 Jungen und 3 Mädchen im Alter von 7 – 12 Jahren für die Musik zu begeistern. In diesen ersten Jahren wurde das Jugendblasorchester rasch durch zahlreiche Auftritte, aber auch durch Konzertreisen nach Simonsberg (Schleswig-Holstein) 1974, Texel (Holland) 1975, Coutances (Normandie) 1976 und schließlich La Rochette (Savoyen) 1977 bekannt. Musikalisch ist diese Zeit mit den Namen des Dirigenten Robert Windischmann und der weiteren Ausbilder Ludwig Windischmann, Herbert Windischmann und Rudolf Hegmann eng verbunden. Nach dem Tod Rudolf Hegmanns übernahm ein weiterer Sproß der Familie Windischmann, Hubert, die Ausbildung der Holzblasintrumente.

Getrennte Wege
1977 führten unterschiedliche Vorstellungen über den musikalische Fortentwicklung zur Trennung des Jugendblasorchesters vom Turnverein: Am 22. September wurde der Musikverein 1977 e.V. Mömlingen gegründet. Zum Vorsitzenden wurde Guido Kraus gewählt, der in den kommenden Jahre unterstützt wurde von den Vorstandsmitgliedern Herbert Wießmann (2. Vorsitzender), Christa Ullrich (Schriftführerin) und Horst Heßdörfer (Kassier). Die Ausbildung lag weiterhin in den Händen der Familie Windischmann aus Goldbach. Große Unterstützung fand der Verein bei den Eltern der alle noch jugendlichen Musiker, die Elterngeneration bildete über viele Jahre hinweg das Rückgrat des Vereins.

Gleichzeitig gelang es den 12 verbliebenen Musikern des TV-Musikzuges um Siegfried Postel und Ewald Hohm, einige Ehemalige zu reaktivieren. Eine neue Vereinskleidung wurde erworben und im Dezember konnte sich der Musikzug mit 25 Personen wieder der Öffentlichkeit präsentieren. Ab 1980 gaben sich die TV-Musiker den neuen Namen „Mümlingtal-Musikanten“ und signalisierten damit ihre Weiterentwicklung von einem Musikzug zu einem Blasorchester.

Der Musikverein 1977 e.V. Mömlingen in den 1980er Jahren
In den 1980er Jahren war der junge Verein mit dem Bundesbezirksmusikfest 1981 unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Franz Josef Strauß und dem Verbandsmusikfest zum 10jährigen Vereinsjubiläum 1987 Gastgeber zweier musikalischer Großereignisse. Den musikalischen Schwerpunkt legte das Orchester auf die konzertante Blasmusik. Nachdem die Familie Windischmann ihr Ziel, die Formung des Jugendblasorchesters zu einem leistungsfähigen Klangkörper, erreicht hatte, beendete sie ihre Ausbildungstätigkeit. Als Dirigent wurde von 1981 – 1985 der Berufsmusiker Rainer Hock engagiert, danach übernahm mit Elmar Gassner erstmals ein Musiker aus den eigenen Reihen die Leitung des Orchesters.

Nach der Vereinsgründung wurden die in den 1970er Jahren begonnenen internationalen Verbindungen konsequent weitergeführt. Noch 1977 knüpfte der Verein auf Initiative von Horst Pachale erste Kontakte zur Trachtenkapelle Oberelsbach/Rhön. 1978 war Lenzerheide (Schweiz) Ziel einer weiteren Konzertreise. Aus den freundschaftlichen Kontakten zum Musikverein “Harmonie L’Union” La Rochette – der Musikverein besuchte in den 80er Jahren gleich dreimal – 1980, 1986, 1989 – die Freunde in den Savoyer Alpen – entwickelte sich eine deutsch-französische Gemeindepartnerschaft, die schließlich – 1992 – in die offizielle Verschwisterung zwischen Mömlingen und La Rochette mündete.

1981 nahm Vorsitzender Guido Kraus zudem über den Odenwaldclub und dessen Präsidenten Hugo Friedel (Höchst) erste Verbindungen zu Musikgruppen aus Japan auf. Bereits zwei Jahre später – im Sommer 1983 – startete der Musikverein Mömlingen zu einer dreiwöchigen Tournee durch das “Land der aufgehenden Sonne” mit Konzerten in den Städten Kobe, Tsuyama und Miyazaki. Auch im fernen Osten wurden schnell Freundschaften geschlossen, es folgten mehrere Gegenbesuche japanischer Musikgruppen und 1990 schließlich eine zweite Japantournee.

Die Mümlingtal-Musikanten in den 1980er Jahren
Zu Beginn der 80er Jahre zog sich Ewald Hohm schrittweise von seiner Dirigententätigkeit zurück. Zunächst übernahm von 1982 bis 1990 Erwin Völker die Freitagsproben und gab seine Erfahrungen als langjähriger Musiker in Tanzbands an die Musikanten weiter. 1983 übergab schließlich Ewald Hohm den Dirigentenstab an Helmut Giegerich und setzte sich als Flötist in die Reihen der Musiker.

Ab 1984 teilten sich die Mümlingtal-Musikanten mit dem Musikverein die Aufgaben, die im Laufe eines Kirchenjahres bewältigt werden müssen. Gleichzeitig wurde eine Nachwuchsgruppe aufgebaut, was seither in regelmäßigen Abständen wiederholt wurde. Ewald Hohm wurde zum Ehrendirigenten der Mümlingtal-Musikanten ernannt.

1986 wurde das Orchester durch eine Tanzmusikbesetzung im Big-Band-Stil ergänzt, die bis 1991 bestand und insbesondere bei Karnevalssitzungen auftrat und auch einige Faschingsbälle, z.B. in Hainburg-Hainstadt, musikalisch gestaltete.

Musikalischer Höhepunkt in dieser Zeit war 1990 die Teilnahme am bayerischen Landesmusikfest in Garmisch Partenkirchen. Ebenfalls 1990 wurde erstmals ein Probenwochenende, in Hohenberg an der Eger, durchgeführt.

Der Musikverein 1977 e.V. Mömlingen in den 1990er Jahren
Auch in den 1990er Jahren bildete die konzertante Musik den Schwerpunkt der Auftritte des Musikvereins, jeweils mit dem Frühjahrskonzert als Höhepunkt des Jahres.

Ein wichtiges Ereignis war im Jahr 1992 die Bildung einer offiziellen Städtepartnerschaft zwischen Mömlingen und La Rochette – und damit auch Gelegenheit, die Musikfreunde aus Savoyen gleich zweimal in diesem Jahr zu treffen.

Im Jahr 1995 wurde das Frühjahrskonzert gemeinsam mit den Mümlingtal-Musikanten des TV Mömlingen veranstaltet – erstmals nach 18jähriger Trennung. Das Frühjahrskonzert 1995 stand aber auch aus einem anderen Grund unter einem besonderen Stern: Am 17. Januar war die japanische Stadt Kobe Opfer eines schweren Erdbebens geworden. Der Mömlinger Musikverein leitete daraufhin spontan eine Spendenaktion ein und stellte den Erlös des Frühjahrskonzertes den betroffenen Familien der japanischen Freunde zur Verfügung.

Ebenfalls 1995 wurde eine wichtige Weichenstellung innerhalb des Orchesters getroffen. Ab September übernahm mit Peter Jedlitschka ein professioneller Musiklehrer die Probearbeit, während Elmar Gassner auf eigenen Wunsch wieder als Saxophonist und Klarinettist in die Reihen des Orchesters zurückkehrte. In den folgenden Jahren war eine kontinuierliche Leistungssteigerung vor allem in der konzertanten Musik zu verzeichnen – ein Fortschritt, der mit der Person Peter Jedlitschkas eng verbunden war.

In den 90er Jahren wurden internationalen Kontakte weiter intensiviert. Nach 1991 und der Verschwisterung 1992 besuchte der Musikverein noch zwei weitere Male – 1994 und 1998 – die Partnergemeinde La Rochette. 1996 kam das Orchester „Little Wind“ aus Tsuyama / Japan erstmals gemeinsam mit der Taiko-Trommelgruppe „Kakuzan Sakuradaiko“ nach Mömlingen – mit zahlreichen Auftritte und einem Ausflug nach Bonn und Köln – mit einem Besuch des Deutschen Bundestages und einem vielbeachteten Auftritt der japanischen Trommler vor dem Kölner Dom.

Die „Harmonie L’Union“ reiste nach 1992 wiederum 1997 nach Deutschland, um gemeinsam das 20jährige Bestehen des Musikvereins Mömlingen zu feiern. Da dieses Ereignis mit den Festlichkeiten zum fünfjährigen Bestehen der Jumelage mit La Rochette verbunden wurde und gleichzeitig das befreundete Orchester Brass Porteno aus Kobe auf Deutschlandtournee war, ergab sich die Gelegenheit, eine völkerübergreifende Serenade auf dem La-Rochette-Platz mit über 100 Musikern aus Kobe, La Rochette und Mömlingen zu veranstalten, ein Großereignis, das weit über Mömlingen hinaus große Beachtung fand.

Auf französischer Seite haben sich besonders Colette Renaud, Max Battentier, Daniel Vagnon, Jacky Donjon, Gilles Ghezzi und Michel Pelletier um diese völkerverbindende Freundschaft verdient gemacht.

Last not least unternahm der Musikverein im Jahr 1999 eine weitere Japantournee – wie bereits 1990 gemeinsam mit der „Trachtenkapelle Markt Oberelsbach“ aus der Rhön.

Die Mümlingtal-Musikanten in den 1990er Jahren
Ein wichtiger Schwerpunkt der Mümlingtal-Musikanten war in den 1990er Jahren die Nachwuchswerbung. Neue Wege wurden beschritten und z.B. 1994 erstmals eine „Schnupperprobe“ durchgeführt, bei der sich 20 Kinder für die Ausbildung anmelden. Somit war die Gründung eines eigenständiges Jugendorchesters möglich, das von Helmut Giegerich geleitet wurde.

Auch neue Auftrittsmöglichkeiten erschlossen sich: So wurde der Rosenmontagszug in Seligenstadt ebenso ein fester Bestandteil im Terminkalender wie die Maibaumaufstellung am Rathausplatz – eine Tradition, die unter der Regie der Mümlingtal-Musikanten wieder eingeführt wurde. Ebenso wurde der alte Brauch des Kerbumzugs mit Aufhängen des Kerbburschen und dem Halten der Kerbrede wieder aufleben lassen. Das gemeinsame Frühjahrskonzert 1995 mit dem Musikverein wurde natürlich auch für die Akteure der Mümlingtal-Musikanten zu einem denkwürdigen Ereignis.

Eine weitere Weichenstellung gab es 1996: Der Musikverband Untermain, dem die Mümlingtal-Musikanten bislang angehörten, trat aus dem Nordbayerischen Musikbund aus. Nach intensiver Abwägung entschieden sich die Mümlingtal-Musikanten, mit weiteren fünf Vereinen im Nordbayerischen Musikbund zu verbleiben. Sie verließen den Musikverband Untermain und gründeten den NBMB-Kreisverband Miltenberg, dessen stellvertretenden Vorsitz Siegfried Postel übernahm.

1997 präsentierten die Mümlingtal-Musikanten in der TV-Turnhalle ihr erstes Dreikönigskonzert. Ein Einschnitt war auch der Wechsel des Proberaumes: 44 Jahre lang hatten die Proben in der TV-Turnhalle stattgefunden; nun zog man in den neuen Proberaum im Bürgerhaus „Alte Schule“.

1998 führte der Vereinsausflug nach Ungarn. Ein Standkonzert in Budapest und ein Unterhaltungsabend in Mesceknadasd waren die musikalischen Höhepunkte der Reise.

Im Jahr 1999 bekam schließlich das seit fünf Jahren bestehende Jugendorchester mit Andreas Fath einen neuen Dirigenten.
Fortsetzung folgt