Gemeinschaftskonzert

Spannung, Präzision und Sensibilität

Glanzvolle Premiere: Mömlinger Großorchester begeistert sein Publikum

Mömlingen. Unter der Leitung von Wilco Grootenboer und Peter Jedlitschka hatten sich der Musikverein Mömlingen und die Mümlingtal-Musikanten zu einem Großorchester mit über 60 Musikern zusammengeschlossen. Die Premiere stand am Sonntag in der Kultur- und Sporthalle auf dem Programm. Engagement und Fleiß der Beteiligten machten das Projekt zu einem vollen Erfolg.

Der imposante Einmarsch des Orchesters, begleitet von einem spannungsvollem Paukenwirbel, mündete ohne Unterbrechung in das erste Stück: die Rock-Oper »Jesus Christ Superstar« von Andrew Lloyd Webber. Die pompöse Einleitung schärfte die Konzentration der Zuhörer für Kraft und Klang der gut 60 Instrumente.
Sogleich folgte das Lied »I don’t know, how to love him«, bei dem das Orchester durch sanften Auf- und Abbau von Spannungsbögen sowie durch feinfühlige Intonation seine musikalische Reife unter Beweis stellte. Problemlos führte Dirigent Jedlitschka die Musiker durch Tempi-, Dynamik- und Rhythmuswechsel.
Eine andere musikalische Richtung schlug das Orchester unter der Leitung von Wilco Grootenboer ein. Mit »Der Flug der Störche« aus Adebars Reise des Komponisten Markus Götz beschrieb es die Stationen der Storchenreise vom Nest auf dem Kirchturm über Nervosität und Aufbruchstimmung bis zur Ankunft in Afrika. Tänzerische Percussionsbewegungen – durchzogen von der Melodie der Blechbläser – malten ein erhabenes, schwereloses Bild von der Storchenreise. Sehr gute Intonation bei der sehnsuchtsvollen, weichen Melodie der Holzbläser rundete die Spannung ab.

Überzeugend musiziert
Vor und nach der Pause kamen die Marschmusikfans auf ihre Kosten. Hymne und Triumphmarsch aus Verdis Oper »Aida« spielte das Orchester ebenso überzeugend wie den Konzert-Marsch »Kosakenritt« von Michael Klostermann.
In die Moderne zurück führte der von Hans Zimmer komponierte Soundtrack zum Film »Backdraft«. Dramatische Dynamikänderungen und die Sanftheit der Holzinstrumente im Zusammenspiel mit den glänzenden Blechbläsern zeigten, wie gut sich die zwei Einzelkapellen aufeinander eingestellt hatten.
Ihr hohes Niveau demonstrierten die Musiker mit Jacob de Haans Wildwest-Opus »Oregon«. Der Zuhörer konnte sich gut in eine Bahnfahrt durch den Westen Amerikas hineinversetzen – mit malerischen Landschaften, Büffelherden, Indianern und Cowboys. Die Variationen des Themas erweckten Spannung, die harmonisierenden Einzelstimmen ergaben ein klangvolles Ganzes, ohne sich gegenseitig zu überdecken.

Der Musical-Klassiker »Grease« der Komponisten Casey und Jacobs, neben »Oregon« der zweite Publikums-Liebling, bildete den Abschluss des zweistündigen Konzerts. Präzise und ausdrucksstark erzählten die Instrumente die von Missverständnissen und Verwirrungen geprägte Liebesgeschichte zwischen zwei High-School-Schülern. Mit großem Applaus und viel Jubel um die Zugaben zeigten die Zuhörer ihre Zustimmung zu dem Mömlinger Großprojekt und ihre Vorfreude auf das nächste Mal.

Anna-Lena Höcker (erschienen im Main-Echo vom 6.10.2005)