Interview zum Gemeinschaftskonzert

“Es einmal so richtig krachen lassen”

Thomas Pachale und Siegfried Postel übers erste Gemeinschaftskonzert

MÖMLINGEN. Am morgigen Sonntag, veranstalten der Musikverein Mömlingen und die Mümlingtal-Musikanten erstmals ein Gemeinschaftskonzert in der Sport- und Kulturhalle. Unsere Mitarbeiterin Ruth Weitz sprach mit Thomas Pachale vom Musikverein und Siegfried Postel von den Mümlingtal-Musikanten über die Hintergründe.

Was macht den Unterschied zwischen Mümlingtal-Musikanten und Musikverein aus?
Thomas Pachale: Der eigentliche Unterschied besteht darin, dass die Mümlingtal-Musikanten eine Abteilung des Turnvereins sind und der Musikverein ein eigenständiger Verein ist. Unsere Ziele sind gleich. Wir betreiben Jugendausbildung, geben Konzerte, spielen Ständchen, organisieren Picknicks und Feste. Es gibt keine großen Unterschiede bis auf die Organisationsform.
Siegfried Postel: Es hatte sich 1977 so ergeben, dass das Jugendorchester der Mümlingtal-Musikanten einen eigenen Verein, den Musikverein, gründete, um sich der konzertanten Blasmusik zu widmen, während die Erwachsenenkapelle eher die traditionellen Stücke eines Musikzugs spielte. Mittlerweile hat sich die Musikrichtung immer mehr angenähert, und nun sind wir von der musikalischen Betrachtung her zwei identische Kapellen. Aber Rivalität bestand deshalb nie.

Wie entstand die Idee, ein Gemeinschaftskonzert zu organisieren?
Thomas Pachale: Da beide Musikgruppen identische Ziele haben, ist die Frage aufgekommen, sich einmal zusammenzusetzen und zu klären, was man gemeinsam machen kann. Sehr viele Synergien können gemeinsam genutzt werden. Das heißt aber nicht, dass wir unsere Ziele gemeinsam definieren müssen. Es gibt viele Dinge, bei denen man sich gegenseitig unterstützen kann. Man ergänzt sich in den letzten Jahren bei Auftritten, wenn mal eine Besetzung ausfällt. Das ist gar kein Problem. Wir hatten auch schon ein gemeinsames Frühjahrskonzert mit zwei Kapellen. Bei einem unserer Gespräche hat sich dann herauskristallisiert, wir machen im Herbst ein Gemeinschaftskonzert und lassen’s mal richtig krachen. Ein Orchester mit über 70 Musikern, das ist schon was. Die Grundidee zu einer Kooperation kam aber eigentlich von Sigi Postel.
Siegfried Postel: Wir haben im Gemeinderat festgestellt, dass die demographische Entwicklung auch vor Mömlingen nicht Halt macht. Es gibt immer weniger Kinder. Das führt in diesem Jahr dazu, dass eine Kindergartengruppe geschlossen wird und die Existenz der Hauptschule in Frage gestellt ist. Diese Entwicklung macht sich auch in der Jugendausbildung bemerkbar. Gerade Musikvereine haben es da schwer, weil sich die Ausbildung über Jahre erstreckt, während zum Beispiel Fußballvereine ein paar Mal mit den Kleinen trainieren, und schon dürfen sie bei den Bambinis spielen. Wir haben uns vor zwei Jahren erstmals zusammengesetzt. Es war uns klar, die Zusammenarbeit soll nicht nur unter den Vorständen sein, sondern an der Basis ansetzen. In der Vorbereitung zu diesem Konzert hat sich gezeigt, dass sich alle absprechen müssen und sich dadurch besser kennen lernen. Es macht auch sehr viel Spaß, gemeinsam zu musizieren. Der Klang ist einfach enorm, wenn mehr als 70 Leute spielen.

Ist es denkbar, dass beide Vereine in Zukunft noch enger zusammenarbeiten und eventuell sogar fusionieren?
Thomas Pachale: Viel enger kann die Zusammenarbeit eigentlich gar nicht sein, weil es im Moment wirklich funktioniert und auch harmoniert. Beide Vereine für sich werden sich weiter auf ihre Arbeit konzentrieren. Im Moment ist auch die Notwendigkeit gar nicht da, um zu fusionieren. Außerdem gibt es in Mömlingen so viel musikalisch zu umrahmen, was ein Verein alleine gar nicht leisten könnte.
Siegfried Postel: Wir arbeiten gut zusammen. Aber ohne Not muss eine Fusion nicht sein. Wenn einmal die Zeit kommt, dass eine der Kapellen allein nicht mehr existieren kann, dann sollte man allerdings über eine Lösung nachdenken.

Ruth Weitz (erschienen im Main-Echo vom 1.10.2005)